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Hat sie Macht über Trump?

Entlassung des NSA-Chefs: Auf diese ultrarechte Aktivistin hört Trump

  • Veröffentlicht: 04.04.2025
  • 20:55 Uhr
  • Oliwia Kowalak
Wie viel Macht hat Influencerin Laura Loomer über Trump?
Wie viel Macht hat Influencerin Laura Loomer über Trump?© AP

Die Gründe für die Entlassungen der Spitzenposten in US-Sicherheitsbehörden unter Trump bleiben noch immer im Verborgenen. Wie US-Medien jetzt enthüllen, soll eine bekannte Trump-Unterstützerin ihre Finger mit im Spiel gehabt haben.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Sechs Beamte des Nationalen Sicherheitsrates der USA, darunter auch der Chef des US-Geheimdienstes, sind von US-Präsident Trump entlassen worden.

  • Laut US-Medien soll die als ultrarechts geltende US-Influencerin Laura Loomer Einfluss auf die Entscheidung gehabt haben.

  • Die abgesetzten Beamten seien nach Aussagen der Trump-Unterstützerin "illoyal" gewesen.

Es wird wieder unruhig um US-Präsident Donald Trump. Der Republikaner hat laut US-Medienberichten sechs Beamte des Nationalen Sicherheitsrates (United States National Security Council, NSC) entlassen, darunter auch Chef des US-Geheimdienstes (National Security Agency, NSA) Timothy Haugh, wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf die "Washington Post" am 4. April berichtet.

Wie US-Medien jetzt weiter enthüllen, soll Trump die Entlassungen aber nach einem Treffen mit der als rechtsextrem geltenden Aktivistin Laura Loomer im Oval Office veranlasst haben. Die Unterstützerin des US-Präsidenten soll nach Aussagen von US-Beamten eine Liste von Personen aufgestellt haben, die ihrer Ansicht nach "illoyal" gegenüber dem Republikaner gewesen seien.

"Wir werden uns immer von Leuten trennen – von Leuten, die wir nicht mögen, oder von Leuten, die uns ausnutzen, oder von Leuten, die gegenüber jemand anderem loyal sind", kommentierte der US-Präsident die Angelegenheit laut "New York Times". Loomer gab bisher auf Anfrage von US-Zeitungen keine Stellungnahme ab. Die US-Influencerin bestätigte aber nach der Berichterstattung, an dem Treffen teilgenommen zu haben.

Im Video: Medienbericht: Chef der NSA gefeuert

Trump dementiert Einflussnahme durch Loomer

An der Sitzung zwischen Trump und Loomer soll später noch der nationale Sicherheitsberater und Leiter des Sicherheitsrates, Michael Waltz teilgenommen haben. Laut US-Bericht habe dieser im Zuge des Treffens einige seiner Mitarbeiter, denen Loomer Untreue nachsagte, erfolglos verteidigen wollen.

General Timothy Haugh ist erst im vergangenen Jahr zum NSA-Chef und Chef des Kommandos für elektronische Kriegsführung ernannt worden. Seiner Stellvertreterin Wendy Noble wurden laut US-Berichterstattung neue Aufgabe im US-Verteidigungsministerium zugewiesen. Zu den Entlassenen gehören außerdem Direktor für Technologie und Sicherheit David Feith, der leitende Direktor für Geheimdienstangelegenheiten Brian Walsh sowie Fachmann für legislative Angelegenheiten, Thomas Boodry.

"NSA-Chef Tim Haugh und seine Stellvertreterin Wendy Noble haben sich illoyal gegenüber Präsident Trump verhalten", so ein X-Post der Influencerin Loomer. Auf einem Flug nach Florida nannte Trump sie eine "große Patriotin" und dementierte ihre Einflussnahme auf die Entlassungen des Sicherheitspersonals. "Nein, ganz und gar nicht", zitierte ihn die "New York Times" auf die Frage bezüglich ihres Zutuns.

Aus dem Lager der Demokraten hagelte es Kritik am Vorgehen Trumps: "Ich bin zutiefst beunruhigt über die Entscheidung, General Haugh als Direktor der National Security Agency abzusetzen.", schrieb der demokratische Abgeordnete Jim Himes auf X (vormals Twitter). "Der Geheimdienstausschuss und das amerikanische Volk brauchen eine sofortige Erklärung für diese Entscheidung, die uns alle weniger sicher macht“, forderte Himes.

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:newstime

Kontroverse US-Influencerin: Loomers irritierende Ansichten

Die als ultrarechts geltende Influencerin Laura Loomer unterstütze Trump bereits im Wahlkampf 2024. Regelmäßig wurde sie bei Veranstaltungen des Republikaners gesichtet und soll laut CNN sogar im Besitz seiner Privatnummer sein. Einige Beobachter gehen davon aus, dass Loomer Einfluss auf Trumps Rhetorik hat und ihn mit Verschwörungstheorien beeinflusst.

Die 31-Jährige hat für die als rechtskonservativ geltende Enthüllungsplattform "Project Veritas" gearbeitet. Sie gilt in sozialen Netzwerken als Verschwörungstheoretikerin. Mitunter vertrat Loomer die Ansicht, dass die Terroranschläge auf das World Trade Center ein "inside job" – also von der US-Regierung selbst aufgetragen – gewesen seien. In einem späteren Interview ruderte sie zurück und gab an, dass sie mittlerweile der Überzeugung sei, die Anschläge waren islamistisch motiviert. Sie selbst twitterte 2017, sie sei "stolze Islamophobin" und dass der Islam eine Form von "Krebs" sei. Im Anschluss wurde die kontroverse Influencerin von Twitter und Facebook verbannt. Nachdem Tech-Milliardär Elon Musk die Plattform übernommen hatte, wurde ihr Account wieder freigehalten.

Die US-Influencerin sprach sich weiterhin für "weißen Nationalismus" aus, also ein rassistisches Weltbild, in dem weiße Menschen anderen überlegen sind. Diese und ähnliche Äußerungen führten dazu, dass Loomer auf verschiedenen Plattformen – auch Uber und Lyft – gesperrt oder entfernt wurde. Gegen Politiker teilte die fragwürdige Trump-Aktivistin heftig aus: Kamala Harris griff sie rassistisch an, über die Familie von Gouverneur Ron DeSantis verbreitete sie Mythen. Loomer wagte sogar einmal einen politischen Karriere-Anlauf: Zweimal hat sie für den Kongress in Florida kandidiert – zweimal ist sie gescheitert.

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Trumps Machtausbau: Spitzenposten werden neu besetzt

Die Entlassungen der Spitzenposten erfolgen knapp eine Woche nach dem Chat-Skandal über den Militärschlag auf den Jemen. Nationaler Sicherheitsberater Waltz hatte versehentlich einen US-Journalisten zur Chat-Gruppe hinzugefügt, der den Verlauf später leakte. Im Zuge der Affäre sind auch private Daten und Passwörter ins Internet gelangt. Im Anschluss wurden Rücktrittsforderungen gegen Waltz und US-Verteidigungsminister Hegseth laut.

Beobachter sprechen im Rahmen den Entlassungen vom Machtausbau des US-Präsidenten und der Forcierung des Umbaus der US-Sicherheitsstruktur. Die NSA ist dem Verteidigungsministerium untergestellt. Der hochtechnologische Geheimdienst sammelt Daten aus dem Ausland und wertet milliardenfach Metadaten von Telekommunikation aus. Bereits im März wies US-Verteidigungsminister Hegseth an, alle Hacking-Angriffe auf Russland auszusetzen. Elon Musk hatte sich im März noch mit dem erlassenen NSA-Chef Haugh getroffen. Zuvor erklärte der Tesla-Chef, dass die Agentur eine "Überholung" brauche. Er bemängelte die Computersysteme der Regierung als fehlerhaft und versuche sie zu reparieren.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Nachrichtenagentur Reuters
  • washingtonpost.com: "National Security Agency chief ousted after far-right activist urged his removal"
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:newstime vom 4. April 2025 | 19:45
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:newstime vom 4. April 2025 | 19:45

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