"Eine Weltpremiere und ein großer Schritt"
Erstmals Schweineleber in menschlichen Körper transplantiert
- Veröffentlicht: 27.03.2025
- 05:35 Uhr
- Rebecca Rudolph
Chinesische Ärzte haben erstmals eine Schweineleber in einen hirntoten Menschen transplantiert - ein bedeutender Fortschritt in der Xenotransplantation, der Hoffnung für Patienten mit Leberversagen weckt.
Das Wichtigste in Kürze
Die Schweineleber begann kurz nach der Transplantation zu funktionieren und produzierte Galle.
Das Experiment wurde nach zehn Tagen beendet, wobei keine Abstoßungsreaktionen festgestellt wurden.
Xenotransplantationen könnten in Zukunft den Organmangel überbrücken, doch es gibt noch Herausforderungen.
Erstmals weltweit haben chinesische Ärzte eine Schweineleber in einen hirntoten Menschen transplantiert. Laut ihrem Abschlussbericht in "Nature" begann das Organ kurz nach dem Eingriff unter anderem Galle zu produzieren. Die Leber funktionierte bis zum Ende des zehntägigen Versuchs. Um Abstoßungsreaktionen zu verhindern, wurde das Erbgut des Spenderschweins an sechs Stellen modifiziert.
"Es ist eine Weltpremiere und ein großer Schritt für die Transplantationsmedizin", sagte der Chirurg Bruno Reichart, der an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München an Xenotransplantation forscht und nicht an dem Eingriff beteiligt war. "Die Leber ist ein sehr kompliziertes Organ. Die von der Leber produzierten Eiweiße sind sehr spezifisch für Menschen."
In anderen Versuchen waren bereits Schweineherzen und -nieren in Menschen transplantiert worden. Allerdings sind bis zu einem regulären Einsatz dieser sogenannten Xenotransplantation noch einige Hürden zu überwinden.
Der Leberversuch wurde nach zehn Tagen gemäß den Wünschen der Angehörigen des Hirntoten beendet, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua kurz nach der Transplantation im Jahr 2024. Bei Hirntoten ist die Gehirnfunktion irreversibel erloschen, während der Kreislauf mithilfe künstlicher Beatmung und Medikamenten noch für eine gewisse Zeit aufrechterhalten werden kann.
Schweineleber als Überbrückung bei Leberversagen
"Wir haben beobachtet, dass die Leber im menschlichen Körper gut funktionierte", erklärte Hai-Long Don von der Fourth Military Medical University in Xi’an laut Xinhua. Gewebeanalysen zeigten keine Hinweise auf eine Abstoßung, wobei die Ärzte Medikamente zur Unterdrückung der Immunreaktion verabreichten. Schweine könnten künftig als Organspender dienen, da ihr Stoffwechsel dem des Menschen ähnelt und Organspenden rar sind.
Das chinesische Team ließ die ursprüngliche Leber des Hirntoten im Körper und nutzte die Schweineleber als temporäre Unterstützung. "Eine unterstützende Lebertransplantation ist eine ideale Überbrückungstherapie für Patienten mit Leberversagen", heißt es in der Studie. Sobald sich die natürliche Leber erholt oder ein Spenderorgan verfügbar ist, könne das transplantierte Organ entfernt werden.
"Bei akutem Leberversagen - etwa durch Vergiftungen - könnte eine Überbrückung von zwei Wochen schon helfen, weil die Leber sich dann erholen kann", erklärte der Tiermediziner Eckhard Wolf von der LMU.
Fortschritte bei Schweine-Organtransplantationen
Bisher wurden weltweit zwei Schweineherzen in lebende Menschen transplantiert, beide an der Uniklinik in Baltimore (USA). Die Patienten überlebten nur wenige Wochen nach der OP. Zudem erhielten in den USA vier Patienten Schweinenieren - mit unterschiedlichem Erfolg. Weitere Dutzende Nierentransplantationen sind in Planung.
Wolf und sein Team haben bereits genetisch veränderte Schweine aus Neuseeland für Herztransplantationen gezüchtet und planen, 2027 mit klinischen Versuchen zu beginnen.
- Verwendete Quelle:
- Nachrichtenagentur dpa